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Warum Edelsteine besonders gerne per Post versandt werden

Jenseits der Angst – Vernünftige Gedanken über Sicherheit in einer unsicheren Welt

So lautet der Titel eines spannenden Buches von Bruce Schneier. Dieses Buch vermittelt ein gutes Bild, was Sicherheitsmaßnahmen oder -systeme – wo und wie auch immer sie eingesetzt werden– leisten können oder eben nicht.*

Eine der von Schneier zitierten Geschichten – und er sagt selbst, dass dies eine seiner liebsten Geschichten sei – handelt vom  sicheren Transport von Edelsteinen – genauer gesagt Diamanten.

Cullinan Diamant
Cullinan Diamant

1905 wurde in der Premier Mine nahe Pretoria der Cullinan Diamant entdeckt. Dies ist der größte ungeschliffene Diamant, der jemals gefunden worden ist. Dieser Diamant sollte nun als ein Geschenk der damaligen transvaalischen Regierung an König Edward VII. von England übersandt werden. Man kann sich vorstellen, dass dieser Transport große Debatten über den sicheren Transport auslöste. Wie sollte der Stein von Südafrika nach England gebracht werden, ohne dass der Transport überfallen würde? Viele Menschen haben sich ebenso viele Gedanken gemacht. Sicherheitsleute wurden von London gesandt, um die Reise des Diamanten zu begleiten. Natürlich ward die Vertraulichkeit der Information nur bedingt gewahrt. Es wurde schnell bekannt, dass sich der Diamant auf einem bestimmten Dampfer befand und die Anwesenheit der Sicherheitsleute schien dieses auch zu bestätigen. Aber: Natürlich befand sich auf dem Dampfer nur eine Attrappe des Diamanten. Der echte Diamant war auf eine ganz andere Reise geschickt worden. Nur wenige Leute wussten Bescheid. Der Cullinan Diamant wurde in einer kleinen Schachtel verpackt, beklebt mit einer drei Pence-Briefmarke auf dem Postwege als einfaches Schreiben nach England gebracht!

Drei Pence-Briefmarke
Drei Pence-Briefmarke

Verblüffend einfach, oder? Und man sollte jetzt nicht glauben, dass dies eine Lösung ist, die noch und nur zu Beginn des 20. Jahrhunderts funktionierte, jetzt aber nicht mehr. Nach wie vor nutzt die Edelsteinindustrie in den USA diese Methode, um wirklich sicher ihre Steine zu transportieren. So lesen wir weiter bei Schneier: „Die Edelsteinindustrie hat formale Richtlinien: Unterschreitet der Edelstein einen bestimmten Wert, muss die U.S. Mail zum Transport genutzt werden. Überschreiten die Edelsteine einen bestimmten Wert, dann Federal Express.“ (S. 212)

Und warum, ist dieses System so sicher, fragt sich Schneier weiter. Nun, das System ist so sicher, weil es so viele Briefe gibt, die über die Post oder den Zustelldienstleister versandt werden, dass niemand dieses eine spezifische Paket finden kann. Nichts wird  – oder sollte – dieses Paket zu den anderen Hunderten im lokalen Postamt, zu den Tausenden im zentralen Verteilerzentrum oder Millionen  Sendungen unterscheidbar machen, die täglich von den Postdiensten gehandhabt werden. Und außerdem: Um ein Paket zu verpacken, bedarf es in der Regel nur einer einzigen Person. Nur diese weiß von dem Transport und ist eingeweiht. So können auch keine Informationslücken entstehen.

„Sheer beautiful simplicity“!

 

* Schneier, Bruce: Beyond Fear – Thinking sensibly about security in an uncertain world, o. O., 2006

Jenseits der Angst – Vernünftige Gedanken über Sicherheit in einer unsicheren Welt So lautet der Titel eines spannenden Buches von Bruce Schneier. Dieses Buch vermittelt ein gutes Bild, was Sicherheitsmaßnahmen oder -systeme – wo und wie auch immer sie eingesetzt werden– leisten können oder eben nicht.* Eine der von Schneier…

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Über Sabina Prüser

Sabina Prüser, M.A., Leiterin Investor Relations/ Public Relations der Francotyp-Postalia

Sabina Prüser studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Geschichte an der Freien Universität Berlin und der Universität Heidelberg. Sie arbeitet seit 2007 bei der Francotyp-Postalia Holding AG. Zuvor was Sie als Head of Back Office bei der Spütz AG und der SPARK GmbH, der deutschen Tochtergesellschaft der New Media Spar plc. London tätig.

Ich arbeite bei der FP als Leiterin IR/PR im Bereich Corporate Communications. Dieser Bereich ist Teil des konzernweiten Marketings, das wir seit letztem Jahr aufgebaut haben. Wir definieren Kommunikation also durchaus als einen weiten Begriff. Täglich bekommen wir mit, wie wichtig schriftliche Kommunikation ist. Die Erfahrungen mit schriftlicher Kommunikation, die nicht nur per Brief läuft, möchte ich gerne teilen und freue mich auf eine rege Diskussion.

Mit herzlichen Grüßen
Sabina Prüser

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2 Kommentare

  1. Ein bisschen Sorgfalt muss schon sein:

    Der Kryptografieexperte, über dessen Buch Sie hier berichten, heißt Bruce Schneier (ohne “d”) und das Buch heißt in der deutschen Ausgabe “Secrets & Lies. IT-Sicherheit in einer vernetzten Welt”.

    Wenn Sie sowohl den Titel des Buches als auch mehrfach den Namen des Autors falsch schreiben, dann kommen bei mir Zweifel hoch, ob Sie das Buch überhaupt gelesen haben.

    Und Diamanten werden immer ungeschliffen gefunden …

  2. Sabina Prueser

    Vielen Dank für den Hinweis mit der Schreibweise. Werden wir natürlich ändern.

    Auch dank für den Hinweis zur deutschen Ausgabe. Ich habe mir erlaubt, eine eigene Übersetzung des Titels vorzunehmen, da ich das Buch auf englisch gelesen habe. Die deutsche Adaption weicht da deutlich ab. Siehe Fußnote.

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