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Erfolgsfaktor Wiederkehrende Umsätze

1. Mietmärkte – Grundsätzliches

Der Frankiermaschinenmarkt weist in einigen Ländern eine Besonderheit auf: In den USA, Kanada und Frankreich verpflichten die Postgesellschaften die Frankiermaschinenhersteller, die Frankiermaschine oder zumindest die Abrechnungseinheit, auch „meter“ oder PSD[1] genannt, zu vermieten. Der FP-Konzern vermietet in diesen Ländern Produkttypen wie die MyMail oder OptiMail komplett, da hier das PSD mit der Maschine verbunden ist. Im Falle der PostBase, der UltiMail oder der CentorMail können Teile der Maschine verkauft und gleichzeitig das PSD vermietet werden.

Die gesetzlich festgelegte Mietverpflichtung in den genannten Ländern erleichtert den jeweiligen Postgesellschaften die zeitlich nachhaltige Einflussnahme auf die im Markt befindlichen Frankiermaschinen. So können veraltete Technologien durch einen Dezertifizierungsprozess vollständig aus dem Markt genommen werden. In der Regel werden Dezertifizierungsprozesse mit einem zeitlich längeren Vorlauf angekündigt. Das gibt den Herstellern die Möglichkeit, diesen Prozess vorzubereiten und den Kunden auf die neuen Frankiermaschinenmodelle umzustellen.

Eine Dezertifizierung in einem Mietmaschinenmarkt hat aus Sicht der Frankiermaschinenhersteller eine doppelte Wirkung:

  • Zwar entsteht durch den Austausch alter – häufig bereits abgeschriebener – Frankiermaschinen gegen neue Modelle ein Finanzierungsaufwand und eine Belastung der Ergebnissituation,
  • aber, aus Marktsicht bietet eine solche Dezertifizierung die Chance, durch die Umstellung auf neue attraktive Vertragsmodelle, die Kundenbasis und damit zukünftige wiederkehrende Umsätze nicht nur abzusichern, sondern auch auszubauen. Insbesondere für Marktteilnehmer mit einem kleinen Marktanteil, eröffnet sich durch eine sogenannte harte Dezertifizierung die Chance, Marktanteile zu gewinnen und damit die Umsätze zu erhöhen.

Miete und Leasing in anderen Ländern

In anderen Ländern, die zwar als klassische Kaufländer gelten, so zum Beispiel Deutschland, bietet der FP-Konzern zusätzlich Miet- oder Leasingmodelle an, um den Kunden mit einer Alternative ohne hohe Anfangsinvestitionen den Einstieg in das professionelle Frankieren zu ermöglichen.

 

2. Mietmarkt USA

Die USA sind mit rund 1,2 Millionen Frankiermaschinen der weltweit größte Frankiermaschinenmarkt. Der FP-Konzern hält zurzeit einen Marktanteil von rund 5,6 %. Damit sind die USA der zweitgrößte FP-Markt neben Deutschland.

Im Herbst letzten Jahres hat die USPS (The United States Postal Services) kurzfristig eine Dezertifizierung der sogenannten Non-IBI-Maschinen angekündigt[2]. Sie startete am 1. Januar 2013 und soll bis Ende 2015 laufen. Bis dahin müssen alle Frankiermaschinen, die noch mit der alten Technologie frankieren, von allen Frankiermaschineherstellern aus dem Markt genommen sein.

Im Falle des FP-Konzerns ist ausschließlich die T1000 betroffen. Die T1000 wurde ab 1991 in die Märkte eingeführt. Das Alter der T1000 macht zwei Dinge deutlich: Zum einen können wir zwar Frankiermaschinen lange im Markt halten, zum anderen ist aber ein Austausch der in den USA installierten Frankiermaschinenbasis der T1000 unumgänglich, wollen wir die installierte Basis in den USA nicht auf Dauer verlieren. In den USA befinden sich zurzeit rund 30.000 – 35.000 Frankiermaschinen dieses Typs.

 

3. Auswirkungen auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage

Ohne an dieser Stelle auf genaue Zahlen eingehen zu können, soll zumindest der Buchungsmechanismus verdeutlich werden.

Finance-Lease- oder Operate-Lease-Verträge

Je nach dem wie die Mietverträge zwischen dem Frankiermaschinennutzer und der FP gestaltet sind, werden sie als Finance-Lease- oder Operate-Lease-Verträge bilanziert. Im Konzernabschluss der FP tauchen beide Varianten auf. Im US-Markt sind Operate-Lease-Verträge typisch. In diesem Fall werden in der Gesamtergebnisrechnung Fertigungskosten für die Herstellung der zu vermietenden Maschine gezeigt – insbesondere Materialaufwand, Personalaufwand und Sonstiger betrieblicher Aufwand – und gegenläufig ein „Ertrag“ in den aktivierten Eigenleistungen verbucht. Der Produktionsvorgang ist somit quasi ergebnisneutral. Die aktivierten Eigenleistungen führen zu einem entsprechenden Zugang im Anlagevermögen. In den folgenden Perioden wird die Frankiermaschine abgeschrieben und die Mieterlöse werden in den Perioden als Umsatz gezeigt.

Sofern rechnungswesenseitig ein Vertrag abgebildet wird, der als Finance-Lease-Vertrag klassifiziert ist – was für den deutschen Markt typisch ist –, zeigen wir zum einen den Verkauf der Maschine und zum anderen sehen wir die Gewährung eines „Kredits“ seitens FPs zur Finanzierung des Kaufs. Diese Maschinen werden nicht im Anlagevermögen der FP ausgewiesen und somit auch nicht abgeschrieben. Vielmehr wird eine Forderung aus Finanzierungsleasing bilanziert. Die Raten, die der Frankiermaschinennutzer zahlt, werden in Zins- und Tilgungsanteile aufgeteilt, die einerseits die Forderung aus Finanzierungsleasing tilgen und andererseits zu Zinsertrag führen.

In der Gesamtergebnisrechnung weisen wir den Umsatz für den Verkauf der Maschine aus (vergleichbar einem diskontierten Vertragswert) und zeigen wie beim Operate-Lease  auf der Aufwandsseite die entsprechenden Fertigungskosten.

Diese beiden beschriebenen Abbildungsvarianten sind unabhängig davon, wie FP die eigene Finanzierung gestaltet. Als Quellen kommen primär die laufenden Generierung eines operativen Cashflows, die Nutzung von Kreditlinien oder auch eine Finanzierung über ein Sale-And-Lease-Back-Geschäft in Frage. Sofern ein Sale-And-Lease-Back-Geschäft genutzt wird, wird eine entsprechende Verbindlichkeit aus Finanzierungsleasing bilanziert, die seitens FP getilgt wird und für die Zinsen anfallen, vergleichbar zu einem „normalen“ Kredit. Ob die Maschine, die über ein Sale-And-Lease-Back-Geschäft finanziert wird, auf der Absatzseite in ein Finance-Lease- oder in ein Operate-Lease-Vertrag gestellt wird, ist für die Abbildung unerheblich.

Investitionsvolumen Mietmarkt

In der Vergangenheit lag das Investitionsvolumen der FP bei rund 10 – 11 Mio. Euro. Dem standen Abschreibungen in ungefähr gleicher Höhe entgegen. Nicht zu beachten die Abschreibungen die aus der Akquisition der FP Gruppe (2005), der freesort GmbH sowie der iab GmbH (2006) entstanden waren. Diese Abschreibungen auf Kundenlisten etc., die in den Finanz-Präsentationen bis 2011 immer als Amortisation ausgewiesen wurden, liefen Ende 2011 aus.

Entwicklung EBIT und Jahresüberschuss

Bedingt durch die Entwicklung der PostBase in den letzten drei Jahren und dem nunmehr startenden Verkauf unseres neuen Frankiersystems beginnen nun zum einen die Abschreibungen auf aktivierte F&E-Leistungen und zum anderen – abhängig von der Art des Verkaufs-/ Mietgeschäfts die Abschreibung auf die an den Kunden vermieteten/ verleasten PostBase.

Aufgrund des durch den schneller als früher vermutet verlaufenden Austausch von bereits abgeschriebenen Maschinen durch neue Maschinen, die eine entsprechende Abschreibung verursachen, steigt das Abschreibungsvolumen schneller an, was zu einer stärkeren Belastung des EBIT führt.

Dennoch halten wir in Bezug auf den Jahresüberschuss an den mittelfristigen Zielen fest. Demnach erwarten wir für 2015 einen Jahresüberschuss von mindestens 8 Mio. Euro zu erreichen.

Cashflow

Einen weiteren Einfluss übt die Einführung der PostBase in den USA auf den Cashflow aus Investitionstätigkeit aus. Dieser lag nach vorläufigen Zahlen zum Ende 2012 bezogen auf die Investitionen in vermietete Erzeugnisse bereits bei 6,3 Mio. Euro und war somit um 2,3 Mio. Euro höher als im Vergleichzeitraum 2011. Diese Investitionen werden auf rund10 Mio. Euro steigen und sich entsprechend im Free Cashflow auswirken. Diese Investitionen werden auch durch das Finanzierungsleasing-Modell finanziert.

 

4. Fazit

Selbstverständlich wäre es aus Sicht eines Investors mit Blick auf den Jahresüberschuss und den Free Cashflow zu begrüßen, wenn die Investitionen in den Mietmarkt USA nicht oder nicht in diesem Maße anfallen würden, sich die Vermietung der T1000 also in die Unendlichkeit fortsetzen ließe. Das wäre allerdings sehr kurzfristig gedacht. Die T1000 wäre langfristig für den Kunden nicht mehr attraktiv. Unser Kunde wäre also ein willkommener Ansatzpunkt für den Wettbewerb. Die Dezertifizierung ist somit auch als Anschub für den Vertrieb bei der Markteinführung der PostBase zu verstehen. Es sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass die Dezertifizierung entgegen der sonstigen Praxis der USPS erst sehr spät und sehr kurzfristig angekündigt worden ist. Auf den ersten Blick führt dies zu unerwarteten Effekten.

Mit der zügigen Einführung der PostBasei sichern wir folgende sehr wichtige Grundlagen für den FP-Konzern ab:

  1. Wir haben genau zur richtigen Zeit das sehr erfolgreiche Frankiersystem PostBase in den US-amerikanischen Markt eingeführt.
  2. Mit der Einführung der PostBase haben wir die Chance, unsere Position im US-amerikanischen Markt nicht nur zu sichern, sondern auch auszubauen.
  3. Damit sichern wir unsere Wiederkehrenden Umsätze, d. h. die Umsätze aus Mieteinnahmen, Teleporto, Service und Wartung nachhaltig ab, die bezogen auf den Frankiermaschinenumsatz rund zwei Drittel des Umsatzes ausmachen. Dieser ist ein wesentlicher Faktor für unser stabiles Geschäftsmodell und den grundsätzlich hohen Cashflow.


[1] PSD (engl.): „Postal Security Device“; Abrechnungseinheit, in der die Verwaltung der Portoguthaben und  die Portoverrechnung in einer krypotgrafisch abgesicherten Weise gehandhabt wird.

[2] Non IBI Frankiermaschinen nutzen zur Frankierung der Briefe nicht den inzwischen geläufigen 2D-Barcode.

1. Mietmärkte - Grundsätzliches Der Frankiermaschinenmarkt weist in einigen Ländern eine Besonderheit auf: In den USA, Kanada und Frankreich verpflichten die Postgesellschaften die Frankiermaschinenhersteller, die Frankiermaschine oder zumindest die Abrechnungseinheit, auch „meter“ oder PSD[1] genannt, zu vermieten. Der FP-Konzern vermietet in diesen Ländern Produkttypen wie die MyMail oder OptiMail komplett,…

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Über Sabina Prüser

Sabina Prüser, M.A., Leiterin Investor Relations/ Public Relations der Francotyp-Postalia

Sabina Prüser studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Geschichte an der Freien Universität Berlin und der Universität Heidelberg. Sie arbeitet seit 2007 bei der Francotyp-Postalia Holding AG. Zuvor was Sie als Head of Back Office bei der Spütz AG und der SPARK GmbH, der deutschen Tochtergesellschaft der New Media Spar plc. London tätig.

Ich arbeite bei der FP als Leiterin IR/PR im Bereich Corporate Communications. Dieser Bereich ist Teil des konzernweiten Marketings, das wir seit letztem Jahr aufgebaut haben. Wir definieren Kommunikation also durchaus als einen weiten Begriff. Täglich bekommen wir mit, wie wichtig schriftliche Kommunikation ist. Die Erfahrungen mit schriftlicher Kommunikation, die nicht nur per Brief läuft, möchte ich gerne teilen und freue mich auf eine rege Diskussion.

Mit herzlichen Grüßen
Sabina Prüser

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